Abitur und Weisheitszaehne

Da ich gerade mitten im Abitur bin und an dieses logischerweise einige Gedanken verschwende, erkannte ich heute morgen eine Verbindung zwischen den Prüfungen und der Entfernung meiner Weisheitszähne.

Was sich im ersten Moment komisch anhört, hat bei genauerer Betrachtung viele Ähnlichkeiten. Das Offensichtlichste ist, dass die Freude nach jeder einzelnen Prüfung, repektive jedem Zahn, enorm ansteigt. Im selben Moment steigt aber auch schon die Angst vor den Schmerzen des nächsten Tests, oder Zahns – je nachdem ob man Wurzeln zieht oder drinnen lässt.

Allerdings gibt es auch gewisse Unterschiede, vor allem im Hinblick auf die Vorbereitungen. Während man sich schon Wochen vor seinem Eingriff mit verschiedensten Doktoren fachsimpelt und sich gewissenhaft auf nur jeden möglichen und unmöglichen Umstand vorbereiten, sieht d_ bayrische Abiturient_in das Abitur des dritten Prüfungsfaches ganz in Ruhe auf sich zukommen. Manche voreiligen Kammerad_innen denken sich dann schon um viertel vor acht: "Musikabi in ‘ner dreiviertel Stunde. Ich könnt’ mal schön langsam zum Lernen anfangen.". Andere Mitschüler_innen, welche sich von allem befreit fühlen, wollen diesen Zustand auch möglichst lange halten, wie durch den Spruch "Zwei 600er Ibuprofen vor Deutsch braucht’s schon!" des häufigeren aufgezeigt wurde.

Auch bezüglich der Vorbereitung in den letzten Minuten vor dem großen Event sind sich Vertreter von Ärzt_innen und Schülerinnen noch immern nicht ganz einig. Während d freundliche Kieferchirurg_in mit Baggerschaufelhänden einem den letzten Nerv raubt und dafür einen gekonnt gemischten Mix verschiedenster Chemikalien in den Mundraum pumpt, reicht bei einer Abiturprüfung schon ein gekonnter Griff in das Ü-18 Regal des nächsten Supermarkts um die letzten grauen Zellen in einen ruhigen Schlaf zu schicken. Die Wirkung dieser beiden Methoden ist erstaunlich wirksam und wenn sie erstmal voll einsetzt steht der Party nichts mehr im Weg.

Wenn dann der Kieferorthopäde endlich das Radio einschaltet und mit "Highway to Hell" den ersten Schnitt macht stürzt sich auch der Prüfling tatenfroh auf das so sorgfältig bedruckte Aufgabenheft und gönnt sich einen Artikel aus einem nicht gewählten Aufgabenteil als Morgenlektüre (leider darf man sich keinen Kaffee holen, wenn man "auf’s Klo geht" 🙁 ). Und ist die Party dann mal richtig im Gange so lässt er sich durch nichts mehr halten (und hier ist nicht nur der Schüler sondern auch dessen Mundraum gemeint).

Während die meisten Schülerinnen durch ihre anfängliche Überanstrengung nun unaufhaltbar in ein Tief rutschen und dieses mir einer ganzen Schicht an Süßigkeiten und der gesamten Bäckerei von nebenan zu stopfen versuchen, bietet de Leidenden d_ strahlende Dorfschmied_in (Stop. Das war eine andere Geschichte…) Kieferorthopäd_in den frisch erbeuteten Schatz an.

Doch auch so manche_r X-trem Schülerin sieht das Licht am Ende des Tunnels und gibt Vollgas. Und das nicht nur in Chemie. Auch in anderen ähnlich weltfremden Disziplinen lassen es manche Krachen und liefern noch voll im (Taten)rausch 16 ganze Din A4 bei d Vorarbeiter_in ab.

Ich persönliche ziehe es an dieser Stelle eher vor meinen Klassenkolleg_innen zu sagen, dass alles gar nicht so schlimm sei und man sich ja nächstes Jahr eh wieder sehe und fahre froh vergnügt und dicht beladen mit meinem Six-Pack in Richtung Osten.

Tag 105

“Wenn man zwei Stunden lang mit einem Mädchen zusammensitzt, meint man, es wäre eine Minute. Sitzt man jedoch eine Minute auf einem heißen Ofen, meint man, es wären zwei Stunden. Das ist Relativität.”

Albert Einstein (1879 – 1955)